DIYhochdrei

diyhochdrei: zu besuch bei stempel jazz in der lüneburger heide

10. November 2019

Stempel Jazz  ist der Name einer kleinen, feinen Handdruckmanufaktur zwischen Wendland und der Lüneburger Heide, in der Juli und Tim schönste  filigrane Stempel mit Motiven aus Flora und Fauna herstellen.

Kommt doch einfach mit…

Evi, Smilla und ich sind an einem verregneten Sonntag im August zum Hundertwasser Bahnhof in Uelzen gefahren, um Juli in ihrer Werkstatt zu besuchen.

Bevor Juli uns abholt, haben wir uns in Ruhe den Bahnhof angeguckt und gemütlich einen Kaffee getrunken…

Angekommen bei Juli und Tim sind wir erst einmal sprachlos wie schöööööön die Umgebung und das Haus ist in dem sie leben.

Neben der Gründung und Weiterentwicklung von Stempel Jazz sanieren die beiden Stück für Stück einen alten Resthof, in dem sie gleichzeitig wundervoll wohnen und arbeiten.

Ich hätte den Tag allein fotografierend im Haus verbringen können, aber dieser Post soll ja keine Homestory werden, sondern ein Werkstattbesuch, nech! 😉

Den Blick aber den man hat, wenn man aus der Küche in den traumschönen verwunschenen Garten geht und zurück in die Küche blickt, den möchte ich euch wenigstens zeigen.

Von der Küche in die Werkstatt

Lichtdurchflutet empfängt uns ein inspirierender Arbeitsplatz wie er schöner nicht sein könnte…

Juli und Tim legen hohen Wert darauf, ihre Produkte aus nachhaltigen Materialien herzustellen. So sind die Stempel  aus ökologischem Stempelgummi aus 100% Naturkautschuk, Moosgummi und gedämpftem Buchenholz.

Juli bedruckt mit den eigenen Motiven auch zauberhafte Grußkarten, die sie anschließend per Hand koloriert…

Die Inspiration für die einzigartigen  Stempel, kommt größtenteils aus der Natur selbst.

Bis aber so ein kleiner Stempel einsatzbereit ist, sind „1000 Steps“ notwendig. Die Entwürfe entstehen am Laptop, im Keller wird gelasert und die passenden Holzstücke zugesägt. In der Werkstatt werden dann die gelaserten Motive aus der Platte geholt und auf das vorbereitete Holzstück geklebt.

Mit viiiiiel Liebe, Geduld, Kreativität, Fleiß und Teamarbeit entstehen so, die wie ich finde,  schönsten (Natur) Stempel. So detailgenau, filigran, perfekt!

Wusstet ihr eigentlich, dass die Menschen schon seit dem1.-4. Jahrhundert Motivstempel benutzen, um zum Beispiel Besitztümer zu kennzeichnen? Unglaublich, ne? Aber isso!

Ich bin im Stempelfieber

Stempeln macht Freude, einmal angefangen, möchte man nicht mehr aufhören…

Da ich im Dezember möglichst nicht mehr für Besorgungen in die Stadt möchte, ist der November der Monat, in dem ich schon die ersten Geschenke einpacke. Noch völligst im Stempel Jazz Stempelfieber, habe ich  z.B. das Geschenkpapier und Papiersternanhänger bestempelt…

Hier hab ich noch eine DekoIdee für den „rustikalen“ Adventstisch. Aus Packpapier habe ich ratzfatz kleine Nikolausstiefel ausgeschnitten, zusammengenäht und bestempelt. Ein bisschen Grün- und Rotzeugs nach Belieben rein,  fertig sind kleine Bestecktaschen.

Juli hat auch ganz zauberhafte winzige Stempel, die sie meist als Giveaway zu einer Bestellung dazugibt. Sie sind aus den Resten der Produktion gefertigt und ebenso bezaubernd wie die „großen“ Stempel .Wir haben „natürlich“ auch so ein kleines Tütchen mitbebekommen 🙂

Diese kleinen Stempel muss man jedoch selbst erst zu „richtigen“ Stempeln machen, d.h. sie müssen z.B. auf einen Korken geklebt werden. Ich hatte die Idee, eine alte leere Batterie mit Papier zu umwickeln (für die Optik) und auf einer Seite den Stempel anzubringen, auf der anderen Seite eine alte Schreibmaschinentaste, von denen ich noch einige habe. Liegt gut in der Hand! Perfekt!

Diesen winterlichen Teller habe ich für meine liebe Nachbarin für ihre Tischdeko gemacht, weil sie mir mal sagte, dass sie das nicht mehr hinbekommt (sie ist 89), da sie es nicht mehr schafft rauszugehen… ich war nicht ganz so zufrieden, aber sie hat sich ganz doll gefreut.

Ich habe den Tellerrand eines großen flachen Tellers mit Zapfen und kleinem Hagebuttenzweig bestempelt (Stempelfarbe Staz On eignet sich gut dafür). Da ich es nicht mehr geschafft habe Kekse zu backen, habe ich erst einmal Moos, etwas herbstliches Pflanzengedöns und eine Kerze darauf gegeben.

Eine guuute Anleitung und noch mehr Inspiration zum Bestempeln von Porzellan findet ihr bei Smilla

Bis Weihnachten wird sicherlich noch so einiges an Stempelwerken entstehen. Als nächstes sind Weihnachtskarten in der Planung. Hier aber ist für heute erst einmal Schluss, aber noch nicht das  Ende, denn unsere DIYhochdrei – Posts enden mit einem kleinen Interview…

Unsere Fragen, Julis Antworten…

Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Juli Logemann, Diplom Textildesignerin und führe zusammen mit meinem Partner Tim die Handdruckmanufaktur Stempel Jazz. Wir stellen filigrane Motivstempel und handgedruckte Grußkarten her und geben Workshops zu den Themen Stempeln auf Textilen und Papier.

Seit wann machst Du das, was Du tust?

Ende 2013 haben wir gegründet, 2014/2015 nach der Geburt unseres gemeinsamen Sohnes ging es dann aber erst richtig los.

Wie bist Du dazu  gekommen?

Nach meinem Diplom als Textildesignerin an der Kunsthochschule Berlin Weißensee sind wir nach 10 Jahren Berlin etwas großstadtmüde aufs Land gezogen. Wir sanieren hier Stück für Stück einen alten Resthof, indem wir leben und arbeiten. In meiner Diplomarbeit habe ich mich mit dem Thema Slowdesign und der  Beziehung, die wir zu Gegenständen haben, beschäftigt.  Durch einen glücklichen Zufall konnte ich mich auf der Kulturellen Landpartie (einer 10- tägigen Kunst-und Kulturveranstaltung hier in unserer Nähe) zu diesem Thema ausprobieren.

Meine Idee war eine Werkstatt für Handgedruckte Souvenirs zum selber Herstellen und Gestalten. Die Teilnehmer sollten eine Erinnerung an den Tag und die Gegend haben. Durch die Erfahrung etwas selber gemacht zu haben, bildet sich ein bewussteres und emotionaleres Verhältnis zu dem handgefertigten Produkt.

Das Resultat war eine kleine Druckerei, in der sich Kinder und Erwachsene unter Anleitung, mit Motiven passend zum Event, ihre ganz persönlichen Geschichten auf Textilien oder Papier stempeln konnten.

VieleTeilnehmer und Besucher wollten die Stempel kaufen, sie waren allerdings Einzelstücke aus Linolium und nicht zum Verkauf gedacht.

Die Begeisterung der Teilnehmer haben uns dazu veranlasst das Ganze gemeinsam weiter auszubauen.  Seitdem stellen wir Werkzeuge her, mit denen jede*r auf leichte Weise kreativ werden kann.

Was hast Du beruflich gelernt?

Ich habe an der Kunsthochschule Berlin Weißensee Textil-und Flächendesign studiert.

Nebenher habe ich ca. 10 Jahre als freie Kameraassistentin für das ZDF gearbeitet, sowie bei einigen Filmproduktionen im Bereich Setdesign mitgearbeitet.

Wer oder was inspiriert Dich, wie findest Du Deine Motive?

Inspiration finde ich überall, in der Natur, in der Stadt, in Ausstellungen und Büchern. Manchmal muss ich meine Gedanken richtig stoppen weil ich überall Motive sehe ; ) Am stärksten inspiriert mich aber tatsächlich die Natur. Ich war schon immer ein Naturkind, habe viel Zeit mit meiner Mutter am Meer und im Wald verbracht. Schon als kleines Mädchen hat mich die Schönheit der einzelnen, noch so unscheinbaren Pflänzchen fasziniert.

Welche Materialien nutzt Du und warum gerade diese?

Wir verwenden gedämpftes Buchenholz, Stempelgummi aus Naturkautschuk und Moosgummi. Uns ist wichtig das die Materialien die wir nutzen so umweltfreundlich wie möglich sind.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit in Deiner Arbeit für Dich und wie setzt Du diese um?

Nachhaltigkeit spielt seit Beginn unserer Gründung eine sehr große Rolle. Ich habe mich bereits während meines Studiums intensiv mit dem Thema befasst und es wäre für mich undenkbar nicht so ökologisch wie möglich zu produzieren, auch wenn dies einen höheren Aufwand und Kosten bedeuten.

Wir versuchen unserer Produkte immer wieder zu optimieren, nach Materialien zu suchen, die noch ökologischer sind. Zur Zeit recherchieren wir gerade und testen Alternativen,  die das Moosgummi (die federnde Schicht zwischen Holz und Stempelgummi für einen exakten Stempelabdruck) ersetzten könnte.

Ich habe im Sommer auf einer Veranstaltung eine Frau kennengelernt die sich mit „Cradle to Cradle“ beschäftigt. Die Idee von „Cradle to Cradle“ (engl.“von der Wiege zur Wiege“) ist,  in Produktionskreisläufen zu denken, die keinen Müll verursachen. Alle im Produkt verwendeten Materialien werden nach Gebrauch entweder kompostiert oder weiter verwendet.

Ich habe mich bereits ein Semester an der Kunsthochschule mit dem Thema beschäftigt und finde den Gedanken bzw. das Umdenken von  „Cradel to Cradel“ genial. In den letzten Jahren ist das Konzept bei mir etwas in Vergessenheit geraten und wurde nun wieder aktiviert. Wir werden sehen und durchspielen was in diese Richtung in unserem Unternehmen möglich wäre.

Neben der nachhaltigen Produktion, sehe ich unsere Stempel als Werkzeug, mit denen jede*r auf leichte Weise selbst kreativ werden kann. Secondhand Kleidungsstücke können z.b verschönert werden und im besten Fall zu einem neuen Lieblingsstück mit emotionalem Wert werden. Papiere können selbst bestempelt werden und werden z.B zu individuellen Geschenkpapieren.

Was liebst Du an Deinem Job?

Ich liebe das ich das tun kann was ich am Liebsten mache. Kreativ arbeiten, mit den Händen etwas schaffen und bin glücklich wenn sich andere über diese Dinge ebenso freuen wie ich.

Das ich Selbstbestimmt arbeiten kann und mein eigener Chef bin.

Das Tim und ich harmonisch und ergänzend (meistens ; ) ) ebenso gut als Geschäftpartner wie auch privat zusammenpassen.

Das es, zumindest im Moment, nie langweilig wird: die Motivpalette ist unendlich und ich habe noch sehr viele Ideen im Kopf.

Wie sieht für Dich ein perfekter Arbeitstag aus?

Mein perfektester Tag ist : ich bin ganz alleine zu Hause und kann den ganzen Tag zeichnen, mit meinen Stempeln experimentieren und die Ergebnisse ganz in Ruhe und mit Muße fotografieren.

Leider kommen diese Tage viel zu selten vor ; )

Mein zweiter perfekter Arbeitstag beginnt wenn alle anderen noch schlafen. Es ist bereits hell und es verspricht ein sonniger Tag zu werden.

Ich beantworte Mails, mache etwas Bürokram, idealerweise noch etwas Yoga bevor ich Café mache und die Anderen wecke.

Wenn unser Sohn im Kindergarten ist trinken Tim und ich einen zweiten Café und besprechen was zu tun ist. Anschließend sägt Tim mir Holzklötze und ich montiere die Stempel oder drucke Karten. Dabei höre ich Musik oder einen Podcast und das ganze mit Blick in unseren Garten und das wunderschöne Haus unserer Nachbarn.

Wir versenden an 2-3 Tagen die Woche. An den  Nachmittagen lade ich Pakete und Kind in unser Lastenrad und wir fahren durch Felder, Wald und Wiesen in den 4,5 km weit entfernten Ort zur Post. Danach gehen wir in die Bücherei oder es gibt ein Eis beim Lieblingsitaliener : )

Das ist ein ganz normaler Tag bei uns, und ich muss sagen das ich ihn ziemlich perfekt finde!

Und das schreiben  Evi und  Smilla zu unserem Tag bei Stempeljazz…

Für heute verabschiede ich mich bei euch und sage innigsten Dank für euren Besuch und eure lieben Worte 🙂
Genießt einen WUNDERvollen Sonntag!

 
 
XoXo Amy
Was ist eigentlich DIYhochdrei?

DIYhochdrei ist eine Plattform für alle kreativ Schaffenden, die mehr Aufmerksamkeit für ihre Werke, eine größere Reichweite und ein inspirierendes Netzwerk möchten.
und so funktioniert das Format:

Wir – amy @einfallsreichblog, Evi @mrsgreenhouse.de und Smilla @smillaswohngefuehl besuchen spannende Werk- und Wirkstätten. Einen Tag lang begleiten wir fotografisch die Arbeit vor Ort und probieren und produzieren selbst. Aus all den Fotos, Videos, Erfahrungen etc. entsteht eine individuelle Werkstattgeschichte, die zu einem verabredeten Datum auf unseren drei individuellen Blogs und auf Instagram @diyhochdrei online gehen.
Für alle Kreativschaffenden/Werkstattbesitzer: meldet euch bei Interesse  einfach mit einer persönlichen Nachricht!
Wir setzen uns dann mit euch in Verbindung!

 

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7 Kommentare

  • Antworten Evi - Mrs Greenhouse 10. November 2019 at 17:39

    Liebste Amy,
    ich bin ganz entzückt von deinen kleinen bestempelten Nikolaus-Bestecktütchen. So süß!!
    Und wie lieb, dass du für deine Nachbarin etwas so Liebevolles gemacht hast. Da wird sie sicher sehr dankbar sein!
    Ich freue mich jedes Mal, unseren Tag noch eimal bei dir und Smilla nachlesen zu können. Das ist, als ob wir noch einmal dort sind.
    Ganz liebe Grüße
    Evi

    • Antworten Amy 10. November 2019 at 22:57

      Danke liebe Evi, freut mich sehr,dass sie dir gefallen! Schlaf gut und träum was schönes! Amy 🙂

  • Antworten Smillas Wohngefühl 11. November 2019 at 9:59

    Liebe Amy,
    Dich hätte ich auch echt gern zur Nachbarin, so lieb von Dir!
    War wieder ein echt wunderschöner Tag mit Dir und Evi. Ich freu mich auf das nächste Mal!
    Liebe Grüße
    Smilla

    • Antworten Amy 11. November 2019 at 21:14

      Ich freu mich auch liebe Smilla, danke für deine Zeilen! Herzlichst Amy

  • Antworten Karen Heyer 11. November 2019 at 19:21

    Liebe Amy,
    was für eine tolle Manufaktur in einem wundervollen Ambiente! Dazu noch eine sympathische Juli, die meine Hochachtung dafür hat, das sie die Pakete mit dem Lastenrad zur Post karrt.
    Deine entzückenden Bestecktütchen habe ich mir gleich gepinnt. Danke für den Bericht und die Inspiration.
    Liebe Grüße
    Karen

    • Antworten Amy 11. November 2019 at 21:16

      Danke liebe Karen für deine wertschätzenden Zeilen!
      Freut mich, dass dir der Werkstattbesuch und meine Stiefelchen gefallen haben.
      Hab einen wunderbaren Abend!
      Herzlichst Amy

  • Antworten Emilia 28. November 2019 at 15:07

    Die Hundertwasserhaus-Säule sieht sehr schön aus 😀

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